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8. Landwirtschaft

Die Landwirtschaft am Bodensee und in Oberschwaben ist geprägt durch die Vielzahl von Sonderkulturen (Obstbau, Weinbau, Hopfen, Gemüse und andere Spezialkulturen). Eine Kernkompetenz ist der qualitäts- und umweltbewusste Anbau von Sonderkulturen. Hopfen leistet in der Bodenseeregion einen wichtigen Beitrag zur Wertschöpfung in der Landwirtschaft. Nahezu die Hälfte der baden-württembergischen Baumobstflächen liegt in der Bodenseeregion (einschließlich des Landkreises Ravensburg).

Die zum Teil freiwilligen Maßnahmen der extensiven und umweltgerechten Landbewirtschaftung sind erheblich. Der Marktentlastungs- und Kulturlandschaftsausgleich ist weiter auszubauen. Ökologische Anbauverfahren sind weiter anzustreben.

Der ländliche Raum in der Region Bodensee-Oberschwaben ist ein bedeutender Wirtschaftsfaktor geworden. Landschaft und natürliche Heilmittel (Heilquellen, Moore, gesundes Klima) bieten hierfür beste Vorraussetzungen. Die vielfältigen Kulturlandschaften gehören zum touristischen Kapital der Region Bodensee-Oberschwaben. Zum ganzheitlichen und authentischen Erlebnis der Kulturlandschaften tragen insbesondere die weitgehend intakte Natur, kulturgeschichtliche Attraktionen sowie kulinarische Spezialitäten bei.

Der Betriebszweig „Urlaub auf dem Bauernhof“ ist für viele landwirtschaftliche Betriebe zu einem unverzichtbaren Zusatzeinkommen geworden.

Der Forstwirtschaft fallen multifunktionelle Aufgaben zu (Klima, Naherholung, nachwachsende Rohstoffe). Eine naturnahe Waldbewirtschaftung muss auch weiterhin gesichert sein. Hierbei kommt der Schonung der kommunalen Waldwege durch privatwirtschaftliche Holzabfuhr besondere Bedeutung zu.

Die Liberalen Bodensee-Oberschwabens setzen sich dafür ein, dass die Landwirtschaft bei Erlöseinbußen wegen Absenkung des Nährstoffeintrags sowie des integrierten und alternativen Landbaus oder auch für die gesamtgesellschaftliche wichtige Funktion der Erhaltung einer offenen Landschaft einen angemessenen Ausgleich erhält. Das Land wird aufgefordert, die Rahmenbedingungen zu schaffen und bei der Einrichtung von Pilotmärkten und Marketing-Konzepten zu helfen.

Für den Mittelstand auch in der Landwirtschaft: Stärkung der kleinen und mittleren Betriebe

Die Kulturlandschaft Oberschwabens ist geprägt von kleinen und mittleren Betrieben in der Landwirtschaft. Die Aufgabe vieler dieser Betriebe verändert die Landschaft bereits aktuell. Die Tendenz zu Agrarfabriken und großen Betrieben mit zusammenhängenden Anbauflächen ist deutlich erkennbar.
Bei den derzeitigen Förderprogrammen der großen Agrarbetriebe durch die Landwirt-schaftspolitik dürfen die kleinen und mittleren Betriebe nicht vergessen werden.
Die von der FDP angestrebten Fördermaßnahmen für den Mittelstand müssen verstärkt auf die Landwirtschaft übertragen werden. Politik, die den Mittelstand in der Landwirtschaft stärkt, ist die bessere Landwirtschaftspolitik. Wir wollen, dass Landwirte wie freie Unternehmer agieren können. Dazu muss man Ihnen aber auch die Freiheit und Verantwortung lassen, wie freie Unternehmer zu handeln und zu entscheiden.
Eine permanente Steuerung durch Quoten und Subventionen führt nicht zu marktwirt-schaftlichen Erfolgen, sondern immer mehr zu einer ineffektiven Planwirtschaft. Aus diesem Grunde erachten wir eine Eingliederung der Landwirtschaft in das Wirtschaftsministerium als sinnvoll.

Milchwirtschaft

Zur freien unternehmerischen Entscheidung gehört auch, dass durch die eigene Ent-scheidung über die produzierte Menge meiner Ware Einfluss auf den Markt und auf die Preise am Markt genommen werden kann.
Die Milchwirtschaft befindet sich gegenwärtig in einer für viele Landwirte existenzbed-rohenden Krise. Diese Krise ist zum einen strukturell bedingt und zum anderen von der Politik geschaffen.
Der Milchmarkt wird von einer strukturellen Überproduktion von Milch und einem un-gleichen Wettbewerb zwischen einer Vielzahl von Anbietern von Rohmilch und einer geringeren Anzahl von oligopolistischen Aufkäufern dominiert. Im Markt für Milchpro-dukte hat der Lebensmittelhandel eine marktbeherrschende Position, die niedrige Le-bensmittelpreise zur Folge hat. Auf die Molkereien entsteht ein großer Druck, den Preisdruck an die Landwirte weiterzugeben.
Darüber hinaus existieren immer noch Subventionen, die eine Ausweitung der Produk-tionsmenge an Milch, trotz Überkapazitäten am Markt fördern. Wir Liberale wollen, dass Landwirte nicht zu bloßen Subventionsempfängern werden, sondern vom Verkauf ihres Produktes leben können. Um dies zu ermöglichen, ist es zwingend notwendig, einen funktionierenden Milchmarkt mit fairen Bedingungen für alle Marktteilnehmer zu schaffen. Auf dem gegenwärtigen Milchmarkt sind weder langfristig nachhaltiges Wirt-schaften noch funktionierender Wettbewerb möglich.
Deshalb unterstützt die FDP Bodensee-Oberschwaben das European Milk Board (Zu-sammenschluss Verkaufsorganisation der Milchbauern) und fordert die Streichung von Subventionen, die eine Ausweitung der Produktionsmenge an Milch verursachen. Die hier freiwerdenden Mittel sind für die Förderung der Direktvermarktung von Rohmilch durch die Erzeuger einzusetzen.
Mittelfristig soll die Milchquote auslaufen, wenn auf dem Milchmarkt faire Bedingungen ohne eine einseitige Marktbeherrschung durch eine Seite bestehen. In der langfristigen Perspektive kann ein liberalisierter Milchmarkt nur funktionieren, wenn für alle Markt-teilnehmer, auch für die Milchbauern, faire Bedingungen herrschen.